Stadtgespräche

Stadtgespräche

Jubiläums-»Stadtgespräche« zwischen Revolution und Reflexion

Mit der aktuellen Reihe der »Stadtgespräche« möchten das »Museumsquartier Osnabrück« und der »Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V.« an das gemeinsame 140-jährige Bestehen seit der Gründung des »Museumsvereins für den Landdrosteibezirk zu Osnabrück« im Jahre 1879 erinnern. Das Angebot bietet die Möglichkeit, anhand unterschiedlicher Themen und Epochen darüber nachzudenken, wie historisches Bewusstsein entsteht, was es bedeutet und welche besondere Rolle dabei das Museum als Ort unseres materiellen kulturellen Gedächtnisses spielt.

 

Einzelveranstaltung 2 €
Alle 7 Termine 10 €
Mitglieder Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V. kostenfreie Teilnahme

 

 

 

 

STADTGESPRÄCH – Heiko Schulze
Mittwoch, 21. November 2018, 16:30 Uhr, Kulturgeschichtliches Museum, Saal

Alwine Wellmann und das Frauenwahlrecht

Am 30. November 1918 – vor 100 Jahren – trat in Deutschland das offizielle Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals in Deutschland reichsweit wählen und auch gewählt werden. Sie trugen damit zur Zusammensetzung der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung bei. Es mutet aus einer lokalen Geschichtsschreibung gut an, sich mit jenen Frauen zu befassen, die als für die Stadt Osnabrück und ihre Menschen tätige Mandatsträgerinnen in deutschen Parlamenten eine Pionierrolle gespielt haben. Die Osnabrückerin Alwine Wellmann gehörte als einzige Osnabrückerin von 1924 bis 1932 dem Preußischen Landtag an, der damals etwa zwei Drittel des damaligen Reichsgebiets repräsentierte.

Alwine Wellmann (1891–1966)
© Bildarchiv Heiko Schulze

STADTGESPRÄCH – Benjamin Schöttner-Ubozak
Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:30 Uhr, Kulturgeschichtliches Museum, Saal

Vom Osnabrücker Land in die Neue Welt. Ein Kontobuch als historische Quelle der deutschen Amerikaauswanderung

Zwischen 1815 und 1914 verließen 5,5 Millionen Deutsche ihre Heimat und suchten insbesondere in den USA eine neue Zukunft. Im Kulturgeschichtlichen Museum dokumentiert eine Kladde des Bersenbrücker Auswanderungsagenten Heinrich Wehberg die Jahre 1865–1893. Wehberg profitierte wie viele andere von der starken Auswanderung. Er vermittelte über die Bremer »Schiffs- und Passagierexpedition Lüdering & Co.« Passagen nach Baltimore, New York und New Orleans. In seiner Kladde registrierte der Kaufmann die Daten aller vermittelten Auswanderer. Recherchen zeigen, wo die Menschen aus dem Bersenbrücker Raum nach ihrer Ankunft in den USA landeten.

Mit dem Dampfschiff nach New York. Kladde mit registrierten Amerikauswanderern (1866)
© Museumsquartier Osnabrück. Kulturgeschichtliches Museum, L 170/1

LESUNG – Ulrike Sheldon
Mittwoch, 30. Januar 2019, 19:00 Uhr, Akzisehaus

Einmalallezeit – Das Leben der Johanna Friederike von Bar nach Quellen erzählt

In Zusammenarbeit mit der Justus-Möser-Gesellschaft und dem Literaturbüro Westniedersachsen
In ihrem quellengesättigten Roman stellt die Autorin Ulrike Sheldon auf individuell-eindringliche Weise die Mesalliance der jungen Adeligen Johanna Friederike von Bar (1732–1769) mit dem bürgerlichen Verwalter Johann Conrad Meier (1732–1812) vor. Beide heirateten am 30. Januar 1769 – vor genau 250 Jahren. Dank langjähriger Forschungen kann die Autorin auf völlig unbekanntes Material zurückgreifen. Zugleich entsteht in ihrer Erzählung ein kulturgeschichtlich-europäisches Panorama des Fürstbistums Osnabrück in der Zeit vor der Französischen Revolution.

Einmalallezeit. Buchcover (2017)
© Aisthesis Verlag

STADTGESPRÄCH – Schüler*innen aus Osnabrück und Umgebung
Donnerstag, 21. Februar 2019, 16:30 Uhr, Kulturgeschichtliches Museum, Saal

Der Erste Weltkrieg – Propaganda, Realität und Wirkung

Im Rahmen der »17. Osnabrücker Herbstakademie« haben sich Gymnasialschüler*innen aus Osnabrück und Umgebung intensiv mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt, insbesondere mit den Auswirkungen auf die Soldaten und ihre Familien. Dabei haben sie auch das Kulturgeschichtliche Museum besucht und sich dort mit Originalobjekten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges auseinandergesetzt. Die Ergebnisse stellen die angehenden Abiturient*innen in der Veranstaltung vor.

Gedenkblatt für Heinrich Krefft (1914)
© Museumsquartier Osnabrück. Kulturgeschichtliches Museum, E 3634

STADTGESPRÄCH – Thorsten Heese
Mittwoch, 6. März 2019, 16:30 Uhr, Kulturgeschichtliches Museum, Saal

Braucht das »Museum 2.0« noch reale Objekte? Ja, unbedingt!

Zwischen der Gründung des Osnabrücker Museums im Jahre 1879 und heute liegen 14 lange Jahrzehnte. In dieser Zeit hat sich einiges geändert. Eine gute Gelegenheit, um einmal inne zu halten und grundsätzlich nach der Perspektive des Museums als Ort des historischen Lernens zu fragen. Wie wird das Museum der Zukunft aussehen? Werden wir künftig nur noch virtuell animierte Ausstellungswelten vorfinden? Welche Rolle und Bedeutung wird der materiellen Kultur – bis dato Kern des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns im Museum – künftig noch zuerkannt?

Ecclesia und Synagoga vom Brautportal der Marienkirche (frühes 14. Jahrhundert)
© Museumsquartier Osnabrück. Kulturgeschichtliches Museum, 6950 a und e

STADTGESPRÄCH – Ralf Langer
Mittwoch, 15. Mai 2019, 16:30 Uhr, Kulturgeschichtliches Museum, Saal

Der »Prärieindianeranzug« des Osnabrücker Kaufmanns Flohr

Schon seit der »Entdeckung der Neuen Welt« durch die Europäer zu Beginn der Neuzeit wurde die einheimische Bevölkerung Amerikas durch die europäische Besiedlung systematisch verdrängt. Der Widerstand in Nordamerika, der 1890 nach dem Massaker bei Wounded Knee brach, kostete 400.000 Native Americans das Leben. Im Mittelpunkt des Stadtgesprächs steht der wildlederne, mit Perlenstickereien geschmückte Anzug eines nordamerikanischen Plain-Bewohners aus der Zeit um 1840. Der seltene vollständige Anzug gelangte 1881 als Geschenk des Kaufmanns Flohr ins Museum. Flohr lebte lange Zeit in den USA, kehrte aber später nach Osnabrück zurück. Er erwarb den Anzug 1845/47 in New Mexiko, eventuell auf einer militärischen Expedition während des Mexikanischen Krieges.

Hemd eines nordamerikanischen Plainbewohners (um 1840)
© Museumsquartier Osnabrück. Kulturgeschichtliches Museum, 1778

STADTGESPRÄCH – Thorsten Heese
Mittwoch, 19. Juni 2019, 16:30 Uhr, Villa Schlikker

Schach – das königliche Spiel

Schach ist in unserer Kultur fest verankert – nicht nur als Spiel. Auch wer nicht selbst spielt, bringt schon mal ein »Bauernopfer« oder fühlt sich irgendwie »Schach matt!« Europa verdankt das ursprünglich aus Indien stammende Spiel der islamischen Expansion im Mittelalter. Spätestens im 13. Jahrhundert gilt es auch im Abendland als etabliert. Bringen Sie zu der Veranstaltung Ihr eigenes Schachspiel mit und erzählen Sie uns dazu Ihre persönliche Geschichte: Ein Konfirmationsgeschenk oder Erbstück? Haben Sie damit Schach gelernt? Welche Länder hat Ihr Reiseschach gesehen? Im zweiten Teil wird natürlich gespielt. Was nehmen Sie: Schwarz oder Weiß?

Schachspiel des Kriegsgefangenen Hermann Hollenbeck (1945)
© Museumsquartier Osnabrück. Kulturgeschichtliches Museum, E 3187 a